Senat besucht Charlottenburger Gründerzentrum

26. August 2020

Senat besucht Charlottenburger Gründerzentrum

Senat im CHIC © WISTA

v.l.n.r.: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Dr. Mathias Bohge (R3Coms), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Roland Sillmann (WISTA) und Vinzenz Bichler (Betterguards). Foto: WISTA Management GmbH

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Charlottenburgs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (v.l.n.r.)

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Charlottenburgs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann besuchten am 25.08.2020 das Innovations-Centrum Charlottenburg der WISTA Management GmbH. Das CHIC ist einer der Berliner Zukunftsorte. Zwei der hier ansässigen Firmen Betterguards Technology und R3 - Reliable Realtime Radio zeigten, wie aus Forschung technische Anwendungen generiert werden.

Das CHIC ist ein wichtiges Glied in der Prozesskette von der Gründung bis zur Etablierung eines Unternehmens. Gründungsinitiativen aus dem wissenschaftlichen Umfeld benötigen eine spezielle, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Unterstützung, um ihre innovativen Ideen bis zur Marktreife entwickeln zu können. Unterstützung erfahren die Start-ups nicht nur durch reduzierte (weil subventionierte) Mieten und flexible Mietflächen, sondern das Management des CHIC bindet sie auch in das örtliche Netzwerk aus Forschungseinrichtungen und etablierten Unternehmen ein. Darüber hinaus vermittelt es auch Zugang zu öffentlichen Förderprogrammen und Kreditmöglichkeiten sowie Kommunikationskanäle zu potenziellen Investoren.

Es bietet eine Nutzfläche von rund 5.500 m²; Mieter können sich maximal acht Jahre niederlassen. Gegenwärtig sind 57 Unternehmen mit rund 370, größtenteils hochqualifizierten Fachkräften ansässig. Damit ist das Haus zu 97% ausgelastet. Die meisten Unternehmen sind in der Informationstechnologie und dort speziell in der Softwareentwicklung tätig, u.a. für die Luft- und Raumfahrt, die Automobilindustrie, für Energie- und Cleantech, für das Gesundheitswesen, die Kreativwirtschaft, für Medien und Industrie 4.0. Viele haben ihre Wurzeln im Gründungsservice („Centre for Entrepreneurship“) der Technischen Universität Berlin (TU Berlin). Im Jahr 2019 erzielten die CHIC-Unternehmen einen Umsatz von insgesamt knapp 17 Mio. Euro.

In seiner jungen Geschichte kann das CHIC bereits auf zahlreiche Erfolge verweisen. Beispielsweise erhielt 2016 die 3YourMind GmbH (Management für den gesamten 3D-Druckprozess) den deutschen Innovationspreis. Im darauf folgenden Jahr erhielt das Unternehmen 10 Millionen Euro Wachstumskapital.

2017 wurde Lukas Olbrich, Mitbegründer der Sablono GmbH (Prozessmanagement-Plattform um das Bauwesen) vom US-amerikanischen Magazin MIT Technology Review als „Innovator unter 35“ ausgezeichnet. 2019 erhielten die mediaire GmbH (Software zur computergestützten Diagnose in der Radiologie) und die Audatic GmbH (Deep-Learning Technologie) den „Deep Tech Award“ sowie Julia Römer, Gründerin der Coolar uG (Entwicklung eines emissionsfreien Kühlschranks), den „Cartier Women's Initiative award“. Ebenfalls 2019 wurde die R3 Communications GmbH mit dem „Hello Tomorrow Industrie 4.0 Award“ ausgezeichnet. Schließlich kam es in jenem Jahr zu einer bedeutenden Übernahme: Der ABB-Konzern kaufte das Start-up Cassantec GmbH (Berechnung von Störungen von Industrieanlagen).

Zukunftsort Campus Charlottenburg

Das CHIC ist Teil des Campus Charlottenburg, einer von elf Berliner Zukunftsorten, an denen aus der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft innovative Produkte und Leistungen entstehen. Der Campus Charlottenburg zählt zu den größten innerstädtischen Universitätskomplexen Europas. Rund um die Technische Universität Berlin (TU), die Universität der Künste Berlin (UdK) und weitere Forschungseinrichtungen haben sich inzwischen zuahlreiche junge Unternehmen niedergelassen. Die Kooperation von TU (technische Innovationen) und UdK (Kunst- und Kreativwirtschaft) gewinnt gerade jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung, besondere Bedeutung. Hier spielt auch das wenige Zusammenwirken der Hochschulen mit dem Bezirk eine große Rolle. Ein Meilenstein der Kooperation ist die durch TU in Kooperation mit der UdK geplante Gründung des „Einstein-Centers Climate Change“.

Zur Geschichte des CHIC

Am 22.10.2010 übergab die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen der Innovations-Zentrum Management GmbH (IZBM, Tochterunternehmen der WISTA Management GmbH) den „Vorläufigen Teil-Zuwendungsbescheid“ zum Erwerb und Ausbau des „Charlottenburger Gründungs- und Innovationszentrums“ (CHIC). Damit konnte das einstige Gerling-Haus an der Charlottenburger Bismarckstraße 10-12 gekauft und mit dessen Aus- und Umbau begonnen werden.

Bereits im April 2011 zogen die ersten Unternehmen in den bereits ausgebauten Seitenflügel ein. Nach kurzer Zeit war dieser vollständig vermietet. Im September 2015 eröffnete nach gründlicher Sanierung das denkmalgeschützte Haupthaus an der Bismarckstraße seine Pforten. Auch dieses war nach kurzer Zeit nahezu vollständig vermietet. Kauf und Umbau des CHIC hatten 24,3 Millionen Euro gekostet – finanziert zu 90 % aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW).

Das CHIC ist ein Resultat des Projekts „Nachhaltige Vitalisierung des kreativen Quartiers auf und um den Campus Charlottenburg“ (NAVI BC). Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte dieses Vorhaben 2008 aus der Taufe gehoben, um der Verknüpfung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur weitere Impulse zu geben und das Areal rund um TU und UdK national und international zu einem noch attraktiveren Standort für kreative Menschen, für Forscherinnen und Forscher, Unternehmerinnen und Internehmer zu machen.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind im Aufbau befindliche Unternehmen besonders betroffen. Dies macht sich auch im CHIC bemerkbar. Zwar konnten viele der Firmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, unterbrochene Lieferketten und stornierte Aufträge führten u. a. dazu, dass etliche Unternehmen Kurzarbeit beantragen mussten. Die WISTA ihrerseits gewährte – in ihrer Eigenschaft als Wirtschaftsförderer – einigen Firmen Mietstundungen. Ungeachtet aller Widrigkeiten zeigt sich im CHIC ein durchaus ähnliches Bild wie im Technologiepark Adlershof: Kleine, innovative und wissensgetriebene Unternehmen können auf Veränderungen extrem schnell und flexibel reagieren und zeigen sich entschlossen, trotz widriger Umstände ihren Weg weiterzugehen. Keines der Unternehmen im CHIC musste bisher aufgeben. Für die WISTA ist das ein ebenso gutes Signal wie die Tatsache, dass trotz Corona-Pandemie im vergangenen Quartal drei neue Unternehmen ins Haus eingezogen sind und zum 1. September 2020 drei weitere folgen werden.
 

Zu R3 – Reliable Realtime Radio Communications GmbH (R3Coms)
R3Coms hat ein Funksystem namens „Echoring“ entwickelt, das mit hoher Verlässlichkeit und in Echtzeit drahtlose Datenübertragungen ermöglicht. „Eine Art WLAN für die Industrie“, nennt Firmen- Mitgründer Mathias Bohge das Prinzip, „nur dass es viel verlässlicher und ohne zeitliche Verzögerung funktioniert“. „Echoring“ befindet sich bereits im Testeinsatz bei großen Unternehmen wie Bosch Rexroth oder Airbus. R3Coms ist 2015 gegründet worden und seither im CHIC ansässig. Das Unternehmen beschäftigt 36 festangestellte Mitarbeiter. Hinzu kommen zehn Freelancer Studenten. Seit 2017 haben das Land Berlin über die IBB Beteiligungsgesellschaft und Creathor Venture mit einem siebenstelligen Betrag in R3Coms investiert. www.r3coms.com

Zu Betterguards GmbH
Das Start-up Betterguards GmbH hat einen Gelenkschutz für Bandagen, Schuhe und Handschuhe entwickelt. Sogenannte Adaptoren versteifen sich beim seitlichen Umknicken des Fußes blitzschnell. Wenn die Gefahr gebannt ist, kehrt der Adaptor in seinen flexiblen Zustand zurück.
Betterguards ist 2014 gegründet worden und hat seinen Sitz im CHIC. Produziert wird in Hennigsdorf bei Berlin. „Zu den ersten Kunden gehört der Orthopädietechnikhersteller Julius Zorn (kurz Juzo), der die Adaptoren in Sprunggelenksbandagen integrieren will“, wusste die „Wirtschaftswoche“ am 14.05.2019 zu berichten.
2019 beschäftigte Betterguards 14 feste Mitarbeiter sowie 25 Praktikanten und Werkstudenten. 2019 schaffte es das Unternehmen, in einer Finanzierungsrunde einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ einzuwerben. www.betterguards.de

 

Weitere Informationen

Dr. Peter Strunk
Bereichsleiter Kommunikation/Marketing, Pressesprecher
WISTA Management GmbH
Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin
Tel. +49 30 6392-2225
E-Mail strunk@wista.de