News and Events

03. January 2022

Kooperationsplattform für Start-ups und Maschinenbau

Wie die VDMA Start-up Machine Mitglieder und Start-ups zusammenbringt, erklärt Projektleiterin Laura Dorfer im Interview

Laura Dorfer, Projektleiterin der VDMA Start-up Machine. Bild: VDMA Start-up Machine

Laura Dorfer ist Projektleiterin der VDMA Start-up Machine. Hier erklärt sie, warum der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau eine Plattform für die Zusammenarbeit zwischen etablierten Mitgliedsfirmen und Start-ups  geschaffen hat, wie das Matchmaking funktioniert – und wie Teams auf die bestens laufende Start-up Machine aufspringen können. 

 

Seit wann gibt es die VDMA Startup-Machine?

Wir haben die Start-up Machine 2017 ins Leben gerufen. Sie ist in unser Competence Center Future Business eingebettet, mit dem wir als VDMA Trendforschung für unsere Mitgliedsfirmen betreiben. Vielen von ihnen fehlt es an Ressourcen, um die Trends und Disruptionen im Blick zu behalten, die auf unsere Branche zurollen. Wir haben erkannt, dass wir ihnen hier konkrete Hilfestellung leisten können. Denn viele brauchen geeignete Partner, um Zukunftsthemen aufgreifen und in Produkte und Services übersetzen zu können. Start-ups bieten sich dafür an, weil sie oft an der Spitze solcher Technologietrends agieren und diese mit der gebotenen Flexibilität und Geschwindigkeit in industriell nutzbare Lösungen übersetzen können.
 

Welche Start-ups können mitmachen – und was müssen sie berappen?

Alle Start-ups, die für den Maschinen- und Anlagenbau relevante Ideen vorantreiben, können mitwirken. Kosten entstehen ihnen in der Start-up Machine nicht. Gefragt sind Unternehmen, die nicht älter als zehn Jahre sind und vom Umsatz und der Beschäftigtenzahl her ins Start-up-Raster passen. Sie erhalten Zugang zu unserem Mitgliedsnetzwerk, können sich und ihre Lösungen auf Veranstaltungen präsentieren oder sich an VDMA-Gemeinschaftsständen auf Messen beteiligen. Stellt sich heraus, dass sie tiefer einsteigen möchten, ist natürlich auch eine Mitgliedschaft in einem unserer über 30 Fach- und Landesverbände mit insgesamt mehr als 3.400 Mitgliedsunternehmen möglich.


Wie bringen Sie Start-ups und etablierte Unternehmen zusammen?

Wir führen jährlich rund 30 Veranstaltungen durch, zuletzt aufgrund der Pandemie meist in digitalen Formaten. Gemeinsam mit unseren Fach- und Landesverbänden oder Partnern aus unserem Ökosystem bieten wir jungen Teams dabei eine Bühne, um sich zu präsentieren. Oft ist das gekoppelt mit Speed-Dating-Formaten, in denen sie unkompliziert Führungskräfte unserer Mitgliedsfirmen treffen können. Daneben treiben wir die Vernetzung mit Matchmaking-Angeboten, Start-up-Awards, mit Ideenwettbewerben oder auch Hackathons voran, die teils direkt bei Mitgliedsunternehmen stattfinden. All das dient dem Ziel, etablierte Unternehmen und innovative Start-ups in einen produktiven Austausch zu bringen, damit sie gemeinsam Pläne schmieden. Viele von unseren Mitgliedsfirmen sind selbst erst 20 bis 25 Jahren im Markt und der Start-up-Kultur eng verbunden. Andere sind traditionsreiche Familienbetriebe, die sich in vielen Fällen über die Gründungsgeschichte ihrer Vorfahren mit dem unternehmerischen Nachwuchs von heute identifizieren. Wir bemühen uns, unsere Formate an die Beteiligten und ihre spezifischen Hintergründe anzupassen, damit sie aus ihren jeweiligen Welten zueinanderfinden.


Inwiefern nützt Ihre Plattform dem Maschinen- und Anlagenbau?

Der Nutzen ist enorm. Ich würde so weit gehen, dass Unternehmen, die die neuen Ökosysteme und Kooperationsmöglichkeiten mit innovativen Start-ups außer Acht lassen, handfeste Wettbewerbsnachteile drohen. Das verstehen immer mehr Mitgliedsunternehmen. Sie nehmen Kontakt zu uns auf und begeben sich aktiv auf die Suche nach Kooperationen. Das funktioniert sehr gut. Auch Start-ups spiegeln uns, dass sie über die Plattform sehr interessante Kunden gefunden haben und gemeinsame Projekte mit ihnen umsetzen. Die Maschinebauunternehmen bekommen über die Teams gezielten Zugang zu den Zukunftstrends, mit denen sie sich näher befassen wollen – und steigen oft sehr schnell in Projekte ein, um neue Produkte und Services zu entwickeln. Teils geht es dabei auch um neue Geschäftsmodelle, seien es Pay-per-Use-Lösungen oder seien es Technologieplattformen, die sie in Zusammenarbeit mit den Start-ups aufbauen.
 

Sie versprechen Ihren Mitgliedsfirmen Zugang zu 9.000 für ihre Branche relevanten Start-ups in aller Welt. Wie kommt diese Zahl zustande?

Wir betreiben seit 2018 gemeinsam mit Datenanalysten ein Start-up-Scoutingprojekt, bei dem wir unter Einsatz von künstlicher Intelligenz Start-ups identifizieren, die sich mit relevanten Technologietrends für den Maschinen- und Anlagenbau befassen. Per Web-Crawling spüren wir so Teams in aller Welt auf, selbst wenn diese nicht einmal eine englische Webseite haben. Zugang zu diesen Start-ups erhalten unsere Mitglieder über eine digitale Start-up-Suchplattform. Damit können sie Gründungs- und Finanzierungstrends sowie globale Hotspots recherchieren, um sich ein Bild über aktuelle Entwicklungen in der globalen Start-up-Szene zu machen. Zudem können sie auch die Profile der einzelnen Unternehmen aufrufen, um die verfügbaren Informationen zur Technologie, etwaigen Patenten, Finanzierungen oder Beschäftigten der Start-ups einzusehen. Teams, die auf unserer Plattform gelistet werden wollen, sind herzlich eingeladen, uns zu kontaktieren und auf die VDMA Start-up Machine aufzuspringen.
 

Gibt es Erkenntnisse zur Zahl und zum Verlauf solcher Kooperationen im Maschinenbau?

Laut unseren Studien arbeiten mehr als die Hälfe der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau bereits mit Start-ups zusammen. Und fast drei Viertel planen derartige Kooperationen. Wir wissen aus Umfragen, dass Mitgliedsunternehmen drei von fünf Kooperationen als nachhaltig erfolgreich bewerten. Auch wenn das Mut zur Zusammenarbeit macht, geben wir uns damit nicht zufrieden: Wir setzen uns intensiv mit den beteiligten Unternehmen und Teams auseinander, um Erfahrungswissen in Best Practices zu übersetzen und Handlungsempfehlungen daraus abzuleiten. Es geht darum, Prozesse so klar und zielführend wie möglich zu definieren, um eine ressourcenschonende Kooperation auf beiden Seiten zu ermöglichen. Denn Start-ups haben in der Regel kleine Teams und müssen mit ihren Kräften haushalten. Für sie ist es wichtig, dass die Projekte schnell in eine konkrete Zusammenarbeit münden und nicht ein Pilotprojekt auf das andere folgt. Es lohnt auf jedem Fall, in eine solche Zusammenarbeit zu investieren. Viele unserer Start-ups berichten, erst in der Kooperation mit etablierten Maschinenfirmen den entscheidenden Dreh für ihr Geschäftsmodell und ihre Lösungen gefunden zu haben.

Von Peter Trechow für CHIC!


Mehr Informationen: VDMA Startup-Machine