Im CHIC werden Gründungsteams zusammengebracht: Tobias Kirschnick, Leiter des Gründungsteams bei der WISTA Management GmbH und Juniorgründungsberaterin Olivia Budek wollen gemeinsam die Netzwerkaktivitäten im CHIC stärken.

21. Oktober 2021

Im CHIC werden Gründungsteams zusammengebracht

Tobias Kirschnick, Leiter des Gründungsteams bei der WISTA Management GmbH und Juniorgründungsberaterin Olivia Budek wollen gemeinsam die Netzwerkaktivitäten im CHIC stärken.

 Olivia Budek und Tobias Kirschnick von der WISTA Management Gmbh, Bild: Olivia Budeck/©WISTA Managment

Tobias Kirschnick und Olivia Budek von der WISTA Management GmbH. Bild: ©WISTA/Olivia Budeck

Beide blicken auf eigene Gründungserfahrungen zurück und sprechen im Interview über ihre Ideen und Pläne für das Charlottenburger Innovations-Centrum.


Welche Wege haben Sie zum Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) geführt?

Olivia Budek: Schon zu Schulzeiten an einem Wirtschaftsgymnasium in Brühl habe ich Netzwerktreffen für Gründerinnen und Gründer im Social-Business organisiert, die ihre Ideen dort pitchen und dann beim Buffet diskutieren konnten. Die Zutaten haben wir aus Bioläden abgeholt und so vor dem Wegwerfen gerettet. Nach dem Abitur habe ich mit einer ersten Gründung geliebäugelt – hatte aber das Gefühl, noch nicht genug Erfahrungen zu haben. Stattdessen habe ich Kulturwissenschaften und Linguistik in Frankfurt/Oder studiert­ und nebenher weiter Gründungsideen entwickelt. Konkret wurde es mit der Eröffnung eines Innovation-Hubs im ländlichen Raum in Polen. Ich habe Förderanträge geschrieben und bekam ein Stipendium der Civil Academy, um die Idee voranzutreiben. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Zeit dafür noch nicht reif war – weder für die Menschen dort noch für mich selbst. Aber der Grundgedanke, Wirtschaft und Kultur zusammenzudenken, der ist mir aus dieser Zeit geblieben.


Kurze Zwischenfrage: Wie haben Sie sich in Polen verständigt?

Budek: Ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe mit meinem Vater von Anfang an polnisch gesprochen. Das ist mir bei dem Projekt zugutegekommen. Als es nicht wie erwartet funktionierte, bin ich das Thema Social Entrepreneurship im ländlichen Raum der deutsch-polnischen Grenzregion aus einer anderen Perspektive angegangen: als Praktikantin und Werkstudentin am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner. Zu der Zeit habe ich mit zwei Freundinnen an verschiedensten Berliner Orten „Artsessions“ organisiert, um Leute aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Daraus entwickelte sich meine erste echte Gründung, localBOXberlin. Die Idee: Motto-Geschenkboxen mit regionalen Produkten, verpackt in Holzkisten, die bisher entsorgt wurden. Regional, kurze Lieferwege zwischen Stadt und Umland, Kreislaufwirtschaft – das waren für uns die wichtigsten Aspekte.


Wie ging Ihr Weg von der Gründung zur Juniorleitung im CHIC weiter?

Budek: Ich habe das Start-up mit aufgebaut, aber mich im Lauf der Zeit immer weiter in eine beratende Rolle verändert. Als Konsequenz habe ich eine befristete Stelle an einer privaten Hochschule in Berlin angenommen. Es ging um Bildungskooperationen mit Unternehmen, unter anderem um Spitzensportlern nebenberufliche Qualifizierung zu ermöglichen. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, weil ich als Teenagerin auf eine Ballettkarriere hingearbeitet habe und selbst vor der Entscheidung stand, ob ich Tänzerin werde oder studiere. Ich habe bei diesem Job erneut gemerkt, wie viel Spaß ich am Aufbau von Kooperationen und Zusammenbringen von Menschen habe. Aber mir fehlte dort die Lebendigkeit der Gründerszene, das Spontane, Unerwartete und der Innovationsgeist. Als auf die Stellenausschreibung der WISTA Management GmbH für die Gründungsbetreuung stieß, habe ich nicht einen Moment gezögert.


Herr Kirschnick, war Ihr Weg zum CHIC ähnlich verschlungen?

Tobias Kirschnick: Der Lebenslauf meiner 26-jährigen Kollegin ist nicht zu toppen. Ich habe Sinologie und BWL an der Freien Universität Berlin studiert und in Steuerlehre abgeschlossen. Nebenher hatte ich in einem Jugendaufbauwerk gejobbt, das sozial benachteiligten Jugendlichen zu einer Ausbildung verhalf. Nach dem Studium bin ich dort ins Qualitätsmanagement eingestiegen, wurde Ausbildungsleiter mit einem Team aus 35 Ausbildern und 250 Jugendlichen und war als stellvertretender Geschäftsführer eigentlich für die Leitung vorgesehen. Aber mein Bruder kam mit einer Gründungsidee dazwischen. Zum Entsetzen unserer Eltern haben wir beide unsere sichere Laufbahn verlassen und eine Entscheidungshilfe-APP entwickelt. Wir haben einen Businessplan verfasst, Fördermittel akquiriert und das Gründerstipendium der Beuth-Hochschule erhalten. Binnen weniger Wochen waren wir ein Start-up. Auch wenn das Projekt am Ende kein kommerzieller Erfolg war und es nicht gelungen ist, die nötige Reichweite und Kundenbasis aufzubauen, war das rückblickend die beste Entscheidung meines bisherigen Lebens.


Warum?

Kirschnick: Wir waren als Gründer im Gespräch mit Marketingchefs von Handelsketten und globalen Elektronikkonzernen, haben vor Investoren präsentiert und aus dem Nichts eine Unternehmensstruktur aufgebaut. Auch hatten wir Kontakt zu Dutzenden Gründerteams und haben den Innovationsgeist aufgesogen. Diese Erfahrung hat mein Bewusstsein für mich und für mein Umfeld stark geprägt. Ich habe Rüstzeug erworben, das mir seit Herbst 2016 bei der Leitung der WISTA-Gründungszentren in Adlershof zugutekommt. Ich habe dort mit meinem Team unter anderem den Coworking Space aufgebaut; auch dafür waren die Gründungserfahrung und der erlernte Pragmatismus hilfreich. Als nun der Leitungswechsel im CHIC anstand, habe ich die Chance gesehen, den Kontakt zwischen Adlershof und Charlottenburg zu stärken. Start-ups brauchen Netzwerke, zufällige Begegnungen mit anderen Unternehmen und Gleichgesinnten. Es kann Gründungsprojekten und Geschäftsideen den entscheidenden Spin geben, auf die richtigen Leute zu treffen. Die WISTA hat die Netzwerke. Ich möchte dafür sorgen, dass wir sie künftig intensiver nutzen.


Mit welchen Plänen und Visionen wollen sie die Netzwerkaktivitäten im CHIC stärken?

Budek: Am Anfang möchte ich vor allemZuhören, um zu verstehen, was die Teams im CHIC bewegt, was sie brauchen und ob sie Veränderungen wünschen. Weil ich schon immer Menschen zusammengebracht habe, möchte ich auch hier Möglichkeiten zum Netzwerken entwickeln, möglichst viele Gründerinnen anlocken und für Austausch mit der polnischen Start-up-Szene und mit Initiativen im Berliner Umland werben. Ich bin fest davon überzeugt, dass großes Entwicklungspotenzial in der Beziehung zwischen Stadt und ländlichen Regionen liegt, das Start-ups mit ihrem meist noch unverstellten Blick vielleicht am besten nutzbar machen können. Ich möchte die Lebendigkeit der Szene im CHIC sichtbar machen und Leute aus vielen Bereichen zusammenbringen.

Kirschnick: Wir haben in Adlershof die Gründungswerkstatt im Coworking Space ganz wunderbar ans Laufen gebracht und bisher etwa ein Drittel Gründerinnen. Es wäre schön, wenn wir 50:50 schaffen. Meine Rolle in Projekten ist es, Anstöße und Ideen zu geben, Hindernisse und zuweilen auch Bequemlichkeiten aus dem Weg zu räumen. Ich sehe gerne, wenn sich die Dinge entwickeln – es vorangeht. Das funktioniert nur, weil sich mein Team in der Umsetzung um die vielen Feinheiten kümmert. Weil ich neben den Adlershofer Projekten nun auch die Leitung des CHIC übernommen habe, sehe ich meine Aufgabe darin, Synergien zu identifizieren und diese zu heben. Das Umfeld für Start-ups hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Programme wie der IBB Gründerbonus helfen Teams sehr unbürokratisch dabei, Ideen zu entwickeln. Dadurch kommt eine neue Dynamik ins Gründungsgeschehen dieser ohnehin hochdynamischen Stadt. Es tun sich zahlreiche Entwicklungschancen auf, die wir im CHIC und in Adlershof aufgreifen möchten, um Teams noch besser dabei zu unterstützen, ihre Ideen zur Reife zu bringen. Wir können Innovatoren zusammenführen. Wenn die damit anfangen, ihre Ideen auszutauschen, entstehen daraus wieder neue Ideen. Olivia und ich haben uns vorgenommen, beide Standorte zusammen zu bearbeiten und sie zusammenzudenken. Der Kommunikationsaufwand ist höher. Aber wenn unsere Pläne so aufgehen, wie wir es uns vorstellen, dann wird sich das auf jeden Fall lohnen.

Budek: Wir haben auf jeden Fall beide große Lust darauf Teams zusammenzubringen. Kleine Veranstaltungen, Diskussionsabende, kurze Pitches und wenn es nach mir geht auch gern viel gutes Essen. Apropos: Kennen Sie schon die neuen Caterer im CHIC. Es lohnt sich!


Von Peter Trechow für CHIC!


Kontakt:

Tobias Kirschnick
Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC)
Bismarckstraße 10-12
10625 Berlin
+49 30 6392-6000
kirschnick@wista.de

Olivia Budek
Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC)
Bismarckstraße 10-12
10625 Berlin
+49 30 590083-105
budek@wista.de
 

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