Deep Tech Stars aus dem Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC): Audatic GmbH und mediaire GmbH sind zwei der Deep Tech Awards Gewinner 2019

09. April 2019

Deep Tech Stars aus dem Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC)

Audatic GmbH und mediaire GmbH sind zwei der Deep Tech Awards Gewinner 2019

Gewinner des Deep Tech Awards, Bild: © SIBB

Die Gewinner des Deep Tech Awards 2019, Bild: © SIBB

Die Gewinner des diesjährigen Deep Tech Awards stehen fest. Sie wurden gestern für ihre innovative und anwendungsorientierten Lösungen auf Soft- und/oder Hardwarebasis von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe und dem Verband der IT- und Internetwirtschaft, SIBB e.V. mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet.

Der Preis wurde gestern Abend von Christian Rickerts, Staatssekretär Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe und den SIBB-Vorständen Thomas Schröter und Dirk Stocksmeier in den Räumen der Beta Systems Software AG in Berlin übergeben.
Christian Rickerts, Staatssekretär Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Berlin hat weltweit eine enorme Strahlkraft als Digital- und Start-up-Metropole. Die Digitalwirtschaft wird immer wichtiger für Umsatz und Wertschöpfung in der Hauptstadt. Die Berliner Deep Tech Unternehmen sind durch ihre innovativen Lösungen wichtiger Treiber dieser Entwicklung. Mit unserem Deep Tech Award zeigen wir dieses Zukunftspotential Berlins.“
Thomas Schröter, Jurymitglied und Vorstandsvorsitzender des SIBB e.V. zum Wettbewerb: „70 eingegangene Bewerbungen des zum nunmehr vierten Mal ausgelobten Deep Tech Awards zeigen nicht nur die Wertschätzung für den attraktiven Preis, sondern auch die Potenz und Kompetenz der Berliner KMU´s in der Digitalwirtschaft. Für die Jury war die Wahl nicht einfach – Kopf an Kopf bewarben sich ausgereifte Technologien und in Berlin entwickelte Lösungen, die den internationalen Wettbewerb in den kommenden Jahren mitbestimmen wollen. Die Anwendungsbereiche sind dabei so vielfältig, wie die Prozesse, die sie mitzugestalten haben. Die Preisträger stehen vorbildgebend und beispielhaft für das Leistungspotential unserer IT-Wirtschaft der Bundeshauptstadt. Der Preis würdigt sie nicht nur öffentlich für ihre Innovation. Wir hoffen, ihnen mit der öffentlichen Wertschätzung auch weitere Türen in der Entwicklung ihrer Produkte und des Unternehmens zu öffnen.“
Die Fachjury aus Wirtschaft und Wissenschaft berücksichtigte bei ihrer Entscheidung für die Auswahl der Deep Tech Stars den Innovationsgrad und das Alleinstellungpotential der Lösungen als auch die Vorteile für die Nutzer und für den Berliner IKT-Markt.

Die Preisträger aus dem Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC):
Die Preisträgerin Audatic GmbH aus Berlin besteht aus jungen, internationalen und hervorragend ausgebildeten Fachkräften und bringt Erfahrungen und Ausbildungen von u.a. Google, McKinsey, University of Oxford, University California Berkeley und ETH Zürich mit.
Elias Sprengel und Peter Diehl, die beiden Gründer von Audatic, lernten sich an der ETH Zürich kennen. Die Idee zur Zusammenarbeit an der Lösung des Problems der mangelhaften Filterung der Hintergrund -und Störgeräusche bei Hörgeräten, kam ihnen durch ihre Erfahrungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und Deep Learning. Aufgrund des Kontaktes zu Betroffenen, der Begeisterung beider für Medizintechnik und dem Wunsch vielen Menschen zu einer verbesserten Kommunikationsmöglichkeit zu verhelfen, entstand schließlich ihr Startup. Seit Mai 2018 entwickelt das Team eine Software, die den Alltag von über 60 Millionen Hörgeräteträgern nachhaltig verbessern wird. Mit dieser Entwicklung will
Audatic auch die Folgeerkrankungen, wie z.B. Depressionen, die leider häufig bei Menschen mit Hörschädigung auftreten, eindämmen.

Der preisgekrönte Wettbewerbsbeitrag:
Störende Geräusche sind für jeden Menschen anstrengend und stören die Konzentration. Normalerweise filtert das Gehirn diese Geräusche heraus, ohne dass es dem Einzelnen bewusst ist. Das Gehirn hat gelernt, unwichtige Geräusche zu erkennen und den Fokus auf die wichtigen zu legen. Trotzdem hört man diese Geräusche, wenn man sich darauf konzentriert. Entwickelt eine Person einen Hörschaden, werden alle Geräusche generell leiser und das Gehirn verlernt das automatische filtern, da die Geräusche aufgrund von Schäden im Ohr oder in der Wahrnehmung fehlen. In dem Fall, dass der Betroffene reagiert und sich ein kostenintensives Hörgerät anschafft, sind die Hintergrund-Geräusche unangenehm und teilweise sogar schmerzhaft. Das liegt nicht nur daran, dass das Gehirn wieder die Filterung erlernen muss, sondern auch daran, dass Hörgeräte diese störenden Hintergrundgeräusche ebenso laut verstärken wie die gewünschten Töne. Sprache und
Restaurant-Lärm werden gleich verstärkt und das Ergebnis ist ein Gemurmel der vielen Betroffenen Kopfschmerzen und Müdigkeit beschert. Im Resultat tragen viele Betroffene ihre Hörgeräte nicht, denn sie sind mit der Leistung in lauten Umgebungen schlichtweg nicht zufrieden. Audatic nutzt neueste Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz und Deep Learning, um Algorithmen zu trainieren, die Störgeräusche automatisch erkennen und herausfiltern. Das gesamte System funktioniert folgendermaßen: Die Software wird als Applikation auf ein Smartphone geladen. Da die Rechenprozesse zu umfangreich sind, um sie auf dem Hörgerät direkt zu berechnen muss ein Smartphone als Basis fungieren. Das
ankommende Signal, beispielsweise eine Unterhaltung mit dem/der Partner/in in einem Restaurant inklusive aller anderen Geräusche (Kellner, Unterhaltungen anderer Gäste, Musik…) wird von dem Mikrofon des Smartphones erfasst. Die Software verarbeitet das Signal, filtert und trennt alle Geräusche. Die Geräusche, die die Software als relevant identifiziert (die Unterhaltung mit dem/der Partner/in) wird von den anderen  Geräuschen getrennt. Nur die Unterhaltung wird dann von dem Smartphone auf das Hörgerät gestreamt. Das alles geschieht mit geringer Latenz, um die Lippenbewegungen des Gesprächspartners synchron zu dem Audio-Signal wiederzugeben. Insbesondere die Hörschädigung junger
Menschen nimmt in den letzten Jahren zu und das Fehlen angemessener leistungsfähiger Produkte beschert diesen Patienten eine lange Leidenszeit. Durch verminderte Kommunikationsfähigkeit isolieren sich Betroffene jeglichen Alters häufig von ihrem sozialen Umfeld und vereinsamen, was zu Krankheiten wie Depression führt. Die Forschung hat sich in dem Bereich der Geräuschfilterung für Hörgeräte in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt. Audatic möchte mit seiner Idee die neueste Technik nutzen und den Menschen einen normalen Alltag mit sozialer Interaktion und selbstbewusster Kommunikation ermöglichen.


Die Preisträgerinmediaire GmbHwurde im April 2018 gegründet. Das interdisziplinäre Gründerteam besteht aus zwei Medizin-Physikern, die nach ihrer Promotion in der Industrie als Softwareentwickler und Machine-Learning-Experten tätig waren, zwei niedergelassenen Radiologen mit eigenen radiologische Praxen und einem erfahrenen Business Angel. Die Finanzierung der mediaire ist durch einen Mix aus Eigenkapital und Fördermitteln des Landes Berlin mittelfristig gesichert. Das erste Produkt md.Brain zur quantitativen Analyse der Hirnregionen zur Unterstützung der Diagnose von neurodegenerativen Erkrankungen wurde im Januar 2019 erfolgreich als Medizinprodukt zertifiziert. mediaire entwickelt und vertreibt Software zur computergestützten Diagnose von medizinischen Bilddaten. Das Unternehmen ist angetreten, die Befundungsqualität und Geschwindigkeit innerhalb der Radiologie durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), ein innovatives Datensicherheitskonzept und ein kundenorientiertes Leistungsangebot nachhaltig zu verbessern. Primäre Zielkunden sind radiologische Einrichtungen, die einen hohen Bedarf an leistungsfähiger Software besitzen, um die Diagnosegenerierung zu beschleunigen, Fachpersonal zu entlasten und Fehler im Befund zu vermeiden. Die Software ist aufgrund der strengen Datenschutzbestimmungen im Gesundheitswesen auf der  vor Ort vorhanden IT-Infrastruktur lauffähig, und sensible Patientendaten müssen im Gegensatz zu konkurrierenden Cloud-Lösungen die Praxis nicht verlassen.

Der preisgekrönte Wettbewerbsbeitrag:
Kürzlich wurde ein Fall im Krankenhaus von Porthsmouth, Großbritannien bekannt, bei dem Patienten falsch oder viel zu spät behandelt wurden, weil die radiologische Abteilung einen Rückstand von 23.000 noch nicht bearbeiteten Patientenbildern hatte. Dies verdeutlicht ein Grundproblem der Radiologie: Es müssen immer mehr Bilder aufgrund höherer Patientenzahlen und höherer Auflösung der Geräte analysiert werden und  gleichzeitig besteht ein Mangel an gut ausgebildeten Radiologen. Im Ergebnis stehen einem Radiologen im Durchschnitt nur 3 Sekunden an Diagnosezeit pro Bild zur Verfügung. Dies führt zwangsläufig dazu, dass die Diagnosequalität durch die vorhandene Überforderung des Menschen eher abnimmt, anstatt auf Basis technischer Entwicklung besser zu werden und schneller zu erfolgen. Prinzipiell könnten Methoden der KI zu  einer signifikanten Verbesserung dieses Zustands führen, jedoch stehen ihrem weiten Einsatz auch einige Hürden im Weg, wie z. B. die geringe Anzahl an verfügbaren annotierten Daten, der Black-Box-Charakter beim Deep-Learning (DL) und die regulatorischen Anforderungen an ein Medizinprodukt. Das nächste Ziel der mediare besteht daher in der Entwicklung von md.Brain Diagnostics, eines KI-basierten Diagnose-Report-Systems für neurodegenerative Erkrankungen, das dem Radiologen eine sofortige, übersichtliche Aufbereitung aller relevanten Bildinformationen samt Diagnose-Report ermöglichen wird. Der Radiologe kann sich somit auf seine Kernaufgabe konzentrieren und die von der mediaire-Software getroffenen Schlüsse verifizieren oder modifizieren (‘Augmented Radiology’). Hierdurch werden bestehende Bedenken gegenüber der KI abgebaut. Die Produktivität und Qualität der Diagnose steigt, was letztlich den Patienten zum größten Gewinner der Anwendung  von KI macht. Diese sehr forschungsintensive und komplexe Lösung entsteht auf Basis des bereits entwickelten und zertifizierten Produkts md.Brain, um eine möglichst erfolgreiche und rasche Umsetzung zu erzielen. Dabei kann das Gerüst des etablierten lokalen Datentransfers, die annotierte und stetig wachsende Datenbank, die Ergebnisse der quantitativen Volumetrieberechnung samt  Qualitätssicherungsmaßnahmen und vor allem die Expertise in der Anwendung von modernen DL-Verfahren auf medizinischen Bilddaten
eingesetzt werden. Perspektivisch soll das prinzipielle Vorgehen auf weitere Organe ausgeweitet und damit das Produktportfolio sukzessive ergänzt werden.

Der Deep Tech Award 2019 war eine Gemeinschaftsinitiative der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, des Branchenverbandes der IT- und Internetwirtschaft in  Berlin und Brandenburg, SIBB e. V., im Rahmen der Landesinitiative Projekt Zukunft sowie der Kampagne für den IT-Standort Berlin „log in. berlin.“.
Der Wettbewerb ist mit 60.000 Euro Preisgeld dotiert. Die Finanzierung erfolgt über Mittel der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Mittel der EU/ EFRE.
Bewertet wurden die eingereichten Wettbewerbsbeiträge von einer hochkarätig besetzten unabhängigen Fachjury .

Informationen zu den weiteren Gewinnern finden Sie in der SIBB-Pressemitteilung.

Hintergrund

Über den IT‐Branchenverband SIBB e.V.
Der SIBB e.V. ist Interessenverband der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg. Der Verband ist etablierter Partner der gesamten Branche in der Hauptstadtregion und Mitgestalter der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der SIBB e.V. vernetzt die Akteure der Branche und vertritt ihre Interessen in Politik und Gesellschaft. Der Verband sorgt dabei auch für einen aktiven Austausch weit über Branchengrenzen hinaus, wendet sich mit seinem Angebot an Anwender und Anbieter gleichermaßen. Zahlreiche Veranstaltungen des Verbands fördern deshalb den Austausch, Kooperationen und Wissenszuwachs. Zum regelmäßigen Angebot gehören Foren, Netzwerke, Stammtische und kompakte Seminare. SIBB-Kongresse und Messeauftritte bilden die Höhepunkte des Jahres. Zu den mehr als 200 Mitgliedsunternehmen gehören IT-Dienstleister und Software-Anbieter, Telekommunikationsunternehmen, Unternehmen der digitalen Wirtschaft sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Etablierte Institutionen und namhafte Unternehmen finden sich ebenso darunter wie Start-ups.

SIBB region ist das Netzwerk für die IT- und Internetwirtschaft in Brandenburg und Bestandteil des SIBB e.V. und hat seinen Sitz in Wildau. Das  Netzwerk SIBB region wird vom Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe  "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert.
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Über die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe ist die Wirtschaftsverwaltung des Landes Berlin. Kernaufgaben sind die Wirtschaftsförderung und die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen für Unternehmen. Die Senatsverwaltung ist zugleich zuständig für die
Ressorts Energie und Betriebe.

 


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