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23. April 2013

Ranken fürs Klima

Gebäudetemperierung durch Fassadenbegrünung am Adlershofer HU-Institut für Physik

Blauregen, Clematis und wilder Wein kühlen das Physik-Gebäude der HU. Bild: Adlershof Special
Blauregen, Clematis und wilder Wein kühlen das Physik-Gebäude der HU. Bild: Adlershof Special

Zur Energieeinsparung von Hightech-Klimaanlagen regulieren am Physikgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) in Adlershof Pflanzen die Temperatur – ein außergewöhnliches Modell.

Noch dringt das dünne Winterlicht durch die großen Fenster in der Newtonstraße, aber mit der ersten Frühlingssonne wird es losgehen. Zarte Blättchen und erste Knospen des Blauregens, der Clematis und des wilden Weins werden sprießen und sich mit jedem Sonnentag ein Stück weiter an der futuristischen Front des Physikgebäudes der Humboldt-Universität (HU) hochziehen.

Sowie das Licht stärker und die Hitze drückender wird, werden sie sich verdichten, bis sie die Glaswände der Labore und Hörsäle im Hochsommer schützend umschlingen. Das ist schön anzusehen, doch dahinter steckt noch mehr: ein außergewöhnliches stadtökologisches Projekt zum nachhaltigen Umgang mit Wasser und Energie. Auf einfache und umweltschonende Weise leisten die Ranken das, wofür sonst Energie verschlingende Klimaanlagen im Einsatz sind: Sie kühlen das Gebäude.

Von Anfang an begleiten Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin (TU), der HU und der Hochschule Neubrandenburg das Experiment. Sie messen den Wasserverbrauch der einzelnen Pflanzenarten und die Kälte, die sie durch Verdunstung erzeugen. Temperaturen und Strahlungen werden dokumentiert, die Bewässerung der Tröge mit Regenwasser über ein internetgestütztes Computersystem gesteuert und überwacht. Marco Schmidt war vom ersten Moment dabei. Der Ingenieur hält heute weltweit Vorträge, in denen er von dem Projekt erzählt, damit es nachgeahmt und weiterentwickelt wird. „Undurchlässige Flächen wie Dächer und Straßen verändern das Mikroklima“, sagt er, „wenn die Sonnenstrahlung zu Wärme wird, schafft das ein unbehagliches Raumklima.“

Begrünte Dächer und Fassaden – wie am Physikgebäude in Adlershof – wandeln dagegen im Sommer die Wucht der Hitze um: Sie spenden Schatten und wenn Wasser verdunstet, hat das einen kühlenden Effekt. Die Nutzung des Regenwassers ist sowieso sinnvoll: „Die Versiegelung von Stadtgebieten nimmt ständig zu. Es müssen Abwasserkanäle gebaut werden, damit das anfallende Regenwasser abgeleitet werden kann“, sagt Schmidt. Das Physikinstitut hat als eines der wenigen Gebäude in Deutschland keine Regenwasserableitung nach außen. In Zisternen wird das Wasser aufgefangen und zur Bewässerung genutzt – der Rest fließt in einen Teich im Innenhof, wo es versickert. Auch in den Klimaanlagen des Instituts wirkt Regenwasser, und ein Wärmetauscher kühlt die Außenluft so vor, dass sie selbst bei Außentemperaturen von 30 Grad ohne künstliche Kälte mit 20 bis 22 Grad in den Räumen ankommt. Um das zu besichtigen, kommen Ingenieure und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Adlershof, denn der Energieverbrauch zur Kühlung von Gebäuden und die Kosten dafür steigen überall.

Von Karla Zuber für Adlershof Special

www.gebaeudekuehlung.de

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