Ungenutzte Dächer, vergebene Chancen – Ein CHIC-Start-up will Mieterstrom entkomplizieren
VR Energie und Klima unterstützt Vermieter in der technischen Planung, Organisation und Umsetzung von Mietstromprojekten
Mieterstrom gilt als sinnvoll, ist in der Praxis aber oft schwer umzusetzen. Planung, Abrechnung und Regulierung machen viele Projekte komplex. VR Energie und Klima zeigt, wie sich dieser Prozess strukturieren lässt.
Über den Dächern Berlins liegt ungenutztes Potenzial. Viele Gebäude könnten längst Strom liefern. Doch gerade in Mehrfamilienhäusern bleibt das oft Theorie. Nicht, weil es an Technik fehlt, sondern weil der Weg dorthin kompliziert ist. Wer Solarstrom direkt an Mieter liefern will, muss sich durch ein Geflecht aus Planung, Regulierung und Abrechnung arbeiten.
Das will VR Energie und Klima ändern. Die Ausgründung der Volks- und Raiffeisenbanken unterstützt Vermieter dabei, Photovoltaik- und Mieterstromprojekte in Mehrfamilienhäusern umzusetzen. „Wir nehmen Eigentümern die Komplexität ab und machen Mieterstrom überhaupt erst umsetzbar“, sagt Geschäftsführer Caspar Pleister.
Der dritte Weg
Wer Strom auf den eigenen Dächern erzeugen und an seine Mieter verkaufen möchte, hat meist zwei Optionen. Entweder er arbeitet sich selbst in komplexe Softwarelösungen ein und übernimmt einen großen Teil der Organisation. Oder er verpachtet seine Dachflächen an externe Anbieter und gibt das Thema weitgehend ab. Beide Wege haben Nachteile. Der eine erfordert Zeit, Know-how und personelle Ressourcen, die im Alltag oft fehlen. Der andere bedeutet, einen Teil der Kontrolle aus der Hand zu geben.
VR Energie und Klima positioniert sich genau zwischen diesen beiden Ansätzen. „Wir übernehmen die technische Planung, organisieren die Umsetzung und kümmern uns um die Abrechnung mit den Mietern“, beschreibt Caspar Pleister den Service seines Start-ups. „Die Projekte bleiben dabei immer in der Hand der Eigentümer.“ In der Praxis bedeutet das: Ein Mieterstromprojekt beginnt lange vor der ersten Kilowattstunde. Zunächst geht es um die technische Auslegung der Anlage. Welche Dachflächen sind geeignet? Wie groß kann die Photovoltaikanlage dimensioniert werden? Und wie lässt sich der erzeugte Strom sinnvoll im Gebäude verteilen?
Darauf folgt die Umsetzung vor Ort. Die Anlage wird installiert, Zähler werden angepasst und die Infrastruktur so aufgebaut, dass Erzeugung und Verbrauch miteinander verbunden sind. Gerade in Bestandsgebäuden ist das oft aufwendiger als gedacht. Ein wesentlicher Teil des Modells beginnt jedoch erst danach. Der erzeugte Strom muss den einzelnen Haushalten zugeordnet, korrekt abgerechnet und transparent dargestellt werden. „Vermieter werden in gewisser Weise zu Energieversorgern, mit allen Anforderungen, die damit verbunden sind“, sagt der Geschäftsführer.
Wo die Hürden liegen
Genau an dieser Stelle zeigt sich, warum viele Mieterstromprojekte gar nicht erst umgesetzt werden. Die technische Installation ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben, Abstimmungen mit Netzbetreibern und die Frage, wie sich die Stromflüsse im Gebäude sauber erfassen lassen. Auch die Abrechnung stellt hohe Anforderungen. Verbräuche müssen einzelnen Haushalten eindeutig zugeordnet werden, Tarife nachvollziehbar sein und alle Daten transparent aufbereitet werden. Fehler oder Unklarheiten können hier schnell zu Rückfragen oder rechtlichen Problemen führen. Für viele Vermieter entsteht daraus ein Aufwand, der im Alltag kaum zu leisten ist. Selbst wenn das Interesse an einer eigenen Photovoltaikanlage vorhanden ist, scheitert die Umsetzung oft an genau diesen Hürden.
Ein Teil dieses Ansatzes hat auch mit der Entstehung des Unternehmens zu tun. VR Energie und Klima ist eine Tochter der Berliner Volksbank. Caspar Pleister hat dort viele Jahre im Firmenkundengeschäft gearbeitet und sich unter anderem mit Finanzierung, Gründung und Nachfolge beschäftigt. Die Idee für das Unternehmen entstand aus einer konkreten Beobachtung. Während Photovoltaik auf Einfamilienhäusern längst verbreitet ist, bleiben die Dächer vieler Mehrfamilienhäuser oft ungenutzt. Nicht aus Mangel an Interesse, sondern weil die Umsetzung für viele Eigentümer zu komplex ist. Genau hier entsteht ein Vorteil aus der Nähe zur Berliner Volksbank. VR Energie und Klima kann direkt auf bestehende Firmenkunden zugreifen und erreicht damit eine Zielgruppe, die für viele andere Anbieter schwer zugänglich ist. Gleichzeitig lassen sich Finanzierungsfragen unmittelbar mitdenken und bei Bedarf an die Bank anbinden. So greifen Zugang zu Kunden, Finanzierung und Umsetzung ineinander. Dinge, die für Mieterstromprojekte entscheidend sind, aber oft getrennt voneinander organisiert sind.
Mit dem Einzug ins CHIC hat das Unternehmen nun den Raum, diesen Ansatz weiter auszubauen. Die Lage in Charlottenburg, die Nähe zu anderen technologieorientierten Unternehmen und die Möglichkeit, mit dem Team zu wachsen, waren entscheidende Faktoren für den Schritt. Gleichzeitig bietet das Umfeld Zugang zu einem Netzwerk, das gerade in der frühen Phase eines Unternehmens wertvoll ist. „Wir wollen hier einen Fußabdruck auf den Dächern Berlins hinterlassen und dazu beitragen, dass Solarstrom im Mehrfamilienhausbereich so selbstverständlich wird, wie er es im Einfamilienhausbereich schon ist“, sagt Geschäftsführer Caspar Pleister.
Kai Dürfeld für CHIC!
