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09. Januar 2023

Immer schön flexibel bleiben!?

Flexibilität am Arbeitsplatz ist zu einem großen Thema geworden und begleitet uns als Bonbon mittlerweile in jeder Stellenanzeige, die wir finden können. Sie stellt Arbeitgeber_innen vor große Herausforderungen, weil beispielsweise entsprechende IT-Rahmenbedingungen vorangetrieben werden oder auch Arbeitsabläufe anders strukturiert werden müssen.

Aus Arbeitnehmer_innensicht ist es natürlich grundsätzlich verlockend: Flexibel sein und arbeiten zu den Zeiten, die mir am besten passen. Arbeiten möglicherweise an dem Ort, wo ich es will. Und das Ganze zu einem Tempo, das ich vorgebe. Jeder von uns hat andere Bedürfnisse und benötigt eben auch ein anderes Umfeld, um produktiv zu sein und sich bestmöglich einbringen zu können.

Als Beschäftigte der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof e. V. (IGAFA) und als Projektleiterin des Ladies Network Adlershof (LaNA) kann ich von eigenen Erfahrungen berichten und möchte diese gerne mit Ihnen in meinem Blog-Beitrag teilen.

Nicht zuletzt bestimmen aber auch viele externe Faktoren, wie ich als Arbeitnehmerin zur Verfügung stehen kann. So müssen Kinder aus der Kita abgeholt werden oder Kolleg_innen krankheitsbedingt vertreten werden. Insbesondere die letzten Jahre haben uns im Rahmen der Pandemie gezeigt, dass Flexibilität unabdingbar ist, weil die Planung jederzeit über den Haufen geworfen werden kann.

Mir ist wichtig, die Chancen und Risiken von „New Work“ aus unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven sowie im kollegialen Miteinander zu beleuchten und diese mit praktischen Tipps zur Selbstorganisation, die mich selbst unterstützend begleiten, zu kombinieren.

 
  1. Flexibilität als Synonym für Homeoffice?
  2. Flexibilität um jeden Preis?
  3. Bleiben Sie oben – mit dem Kopf über der Flexibilitäts-Welle

           

Flexibilität als Synonym für Homeoffice?

Flexibilität ist keine Einbahnstraße und bezieht sich sicher nicht alleine auf die Möglichkeit, Arbeit im Homeoffice zu leisten. Sie darf am Arbeitsplatz nicht missverstanden werden als die Freiheit des Einzelnen, sich ausschließlich nach individuellen Bedürfnissen auszurichten. Insbesondere bei kleinen Teams oder auch zur Sicherstellung von Besucherverkehr ist es unabdingbar, sich gut zu organisieren, um gleichzeitig auch in der Außendarstellung als Team flexibel und kompetent auf die Ansprüche des Alltags reagieren zu können.

 

 

Als kleines Team decken wir recht viele Aufgabenbereiche ab. Hierbei ist wichtig, diese gut zu beherrschen und auch den Kolleg_innen gegenüber als verlässliche Ansprechperson bei der Übergabe von Projekten oder Teilaufgaben zu dienen. Gleichzeitig bedarf es der Bereitschaft, auch die Arbeitsschritte anderer Kolleg_innen zu kennen, um dort bei Bedarf aushelfen zu können und nunmehr nicht auf völlig verlorenem Posten zu stehen. Ein offener Blick nach links wie rechts ist gar nicht so schwer, aber enorm hilfreich.

 

Nur so können wir als Team eine schnelle Reaktionsfähigkeit beibehalten und uns gegenseitig den Rücken freihalten. Dies setzt gleichzeitig voraus, dass wir standardisiert arbeiten und nicht ausschließlich freie Hand walten darf. So nachvollziehbar dies alles klingen mag: Diese Flexibilität muss auch verlässlich am Arbeitsplatz gelebt werden.

 

Flexibilität um jeden Preis?

Unbestritten dürfte sein, dass wir am besten arbeiten, wenn wir uns wohl und gesund fühlen. Daher kann die Förderung der physische sowie mentalen Gesundheit jedes Mitarbeitenden nur von Vorteil sein. Gesund leben und sich verantwortungsvoll ernähren – kennen wir doch! Klappt’s bei Ihnen denn wirklich?

Mit zunehmender Flexibilität steigt gleichzeitig auch die Eigenverantwortung für das berufliche Tun, aber auch für das eigene Wohlergehen. Dabei ist wichtig, Flexibilität ist nicht mit „grenzenlos und immer“ gleichzusetzen. Sie haben bestimmt auch schon mal abends während ihrer Lieblingsserie die Arbeitsmails auf eine dringend benötigte Antwort gecheckt oder noch schnell eine Nachricht losgeschickt und dafür andere wichtige Sachen privater Art vernachlässigt. Geschieht dies häufiger, als Ihnen eigentlich lieb ist? Hand auf‘s Herz: In den meisten Fällen dürfte das am nächsten Arbeitstag immer noch rechtzeitig genug gewesen sein, oder?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich dürfen sie abends berufliche Dinge erledigen, wenn dies Ihr Naturell ist. Worauf ich aber raus möchte: Schaffen Sie sich die Freiheit, die Sie brauchen, um aufzutanken. Wir brauchen in allen Bereichen motivierte Mitarbeitende, die sich bestmöglich einbringen können. Ein voller Tank bringt uns alle weiter.

 

Bleiben Sie oben – mit dem Kopf über der Flexibilitäts-Welle

Lassen Sie mich Ihnen vier Gedanken an die Hand geben, um bei aller Flexibilität, die Ihnen gegeben und abverlangt wird, den Kopf über Wasser halten zu können. Neu sind die alle nicht. Aber sie sind es vielleicht noch mal wert, sie sich bewusst zu machen:

Schaffen Sie sich bei aller Ihnen gegebenen Flexibilität persönliche Freiräume und lassen Sie dort berufliche Dinge bewusst außen vor. Machen Sie Sport, Musik oder kochen Sie. Lesen sie ein Buch. Bauen Sie, basteln Sie. Lernen Sie eine neue Sprache oder belegen einen Kurs, den Sie immer schon belegen wollten. Oder legen Sie die Füße hoch und schauen Ihre Lieblingsserie. Machen Sie das, was Ihnen gut tut. Aber bitte stellen Sie das Arbeitshandy hierbei auf lautlos und legen es außer Sichtweite.

Lernen Sie zu priorisieren. Das Pareto-Prinzip besagt, dass mit 20% des Aufwandes ein 80%iges Ergebnis erzielt werden kann. Aller Ertrag darüber hinaus bedarf ziemlich großer Anstrengungen. Manchmal ist dies nötig. Finden Sie aber Gespür für den Punkt, ab dem zusätzlicher Perfektionismus nur noch von Ihnen selber wahrgenommen wird und für Ihr Projekt deshalb gar nicht mehr von Nutzen ist. Oder einfacher: Geben Sie sich auch mal mit weniger als 100% zufrieden. Zumindest da, wo Sie es sich – auch im Homeoffice - leisten können.

Erledigen sie Dringliches also zuerst. Und schließen Sie es ab! Nichts ist Kräfte zehrender als jene Aufgaben, die auf die lange Bank geschoben und auf Wiedervorlage gelegt werden. Denn diesen Ballast schleppen Sie weiter mit sich herum, da er immer im Hinterkopf herum spukt. Denn auch hier gilt. Aus den Augen – aus dem Sinn. Hier so positiv gemeint, wie es nur gemeint sein kann.

Nicht zuletzt: Seien Sie offen für Änderungen. Und bleiben Sie gelassen. Häufig lohnt der rationale Blick von außen, um eine neue Einschätzung der Situation zu bekommen. Nutzen Sie den unabhängigen Blick derer, die mit Ihrem Projekt nichts zu tun haben und womöglich in einem ganz anderen Bereich tätig sind. Ein neutraler Blick mag schonungslos, aber auch unvoreingenommener sein. Sie sitzen im Homeoffice und Ihr Partner / Ihre Partnerin ist greifbar? Super – nutzen Sie diese unabhängige Stärke, so lange sie kein Staatsgeheimnis offenlegen müssen.

Bleiben Sie flexibel. Und bleiben Sie gesund.

 

Sanela Schlößer zum Thema Arbeitsflexibilisierung

 

Lassen Sie mich gerne auch an Ihren Gedanken zum „ausbalancierten Mitschwimmen“ teilhaben und schreiben mir ein paar Zeilen.